Ein Hosterwechsel macht vielen mehr Angst als nötig. Die Seite muss nicht offline gehen, und E-Mails gehen nicht verloren, wenn du in der richtigen Reihenfolge arbeitest. Der Grundgedanke: Die neue Umgebung läuft vollständig, bevor ein einziger Besucher dorthin geschickt wird. Und der alte Vertrag läuft weiter, bis alles beim neuen Hoster angekommen ist.
Die Reihenfolge im Überblick
- Kündigungsfrist beim alten Hoster prüfen, aber noch nicht kündigen
- Neuen Tarif bestellen
- TTL der DNS-Einträge senken
- Dateien und Datenbank kopieren
- Die neue Seite über die hosts-Datei testen
- Postfächer anlegen und Mails per IMAP kopieren
- DNS umstellen oder Domain umziehen
- SSL-Zertifikat prüfen, Mails ein zweites Mal abgleichen
- Alten Vertrag kündigen
Die Schritte 3 und 4 kannst du parallel angehen. Alles andere baut aufeinander auf.
Vorbereitung: Fristen und neuer Tarif
Schau zuerst in deinen Vertrag. Hostingverträge laufen oft zwölf Monate und verlängern sich automatisch. Für Verträge mit Verbrauchern, die seit dem 1. März 2022 geschlossen wurden, gilt nach der Mindestlaufzeit meist eine Kündigungsfrist von einem Monat (geregelt in § 309 Nr. 9 BGB). Ältere Verträge und Verträge mit Firmen können längere Fristen haben.
Plane so, dass dir zwischen Umzug und Vertragsende mindestens zwei Wochen Luft bleiben. Fällt beim Testen etwas auf, hast du dann Zeit.
Beim neuen Tarif achte auf dieselbe oder eine neuere PHP-Version, genug Datenbanken und Postfächer sowie SSH-Zugang. Mit SSH geht der Umzug deutlich schneller als per FTP. Was einen guten Tarif ausmacht, steht in Was ist Webspace. Für WordPress gibt es eine eigene Checkliste unter WordPress-Hosting: worauf achten.
TTL vorher senken
Die TTL (Time to Live) eines DNS-Eintrags legt fest, wie lange Resolver eine Antwort zwischenspeichern dürfen. Steht sie auf 86.400 Sekunden, also einem Tag, sehen manche Besucher die neue IP-Adresse erst einen Tag nach der Umstellung.
Setze die TTL für die A-, AAAA- und MX-Einträge deshalb mindestens einen Tag vor dem Umzug auf 300 Sekunden. Warte danach so lange, wie die alte TTL war. Erst dann greift der kurze Wert überall. Nicht jeder Hoster lässt dich die TTL ändern. Geht es nicht, plane mit der vollen Zeit und lass beide Server während dieser Phase parallel laufen.
Dateien und Datenbank kopieren
Hast du bei beiden Hostern SSH-Zugang, holst du die Dateien mit rsync auf deinen Rechner und schiebst sie von dort auf den neuen Server. Pfade und Benutzernamen sind Beispiele:
rsync -avz benutzer@alter-hoster.example:html/ ./umzug/html/
rsync -avz ./umzug/html/ benutzer@neuer-hoster.example:html/
Der Schrägstrich am Ende von html/ sorgt dafür, dass rsync den Inhalt des Ordners kopiert und nicht den Ordner selbst als Unterordner anlegt. Ein zweiter Durchlauf kurz vor der Umstellung überträgt nur noch geänderte Dateien.
Die Datenbank exportierst du auf dem alten Server mit mysqldump:
mysqldump --single-transaction --no-tablespaces -h localhost -u db_benutzer -p datenbankname > datenbank.sql
--single-transaction erzeugt bei InnoDB-Tabellen einen konsistenten Stand, ohne die Seite zu sperren. --no-tablespaces verhindert eine Fehlermeldung zu fehlenden Rechten, die bei MySQL 8 auf Shared Hosting häufig auftritt.
Auf dem neuen Server legst du im Kundenmenü eine leere Datenbank an und spielst die Datei ein:
mysql -h db-host-des-neuen-hosters -u neuer_benutzer -p neue_datenbank < datenbank.sql
Danach passt du die Zugangsdaten in der Konfiguration deiner Anwendung an, bei WordPress in der wp-config.php. Ohne SSH geht beides auch per FTP-Programm und phpMyAdmin, bei großen Datenbanken aber oft nur mit Geduld oder gar nicht, weil phpMyAdmin an Upload-Grenzen stößt.
Testen über die hosts-Datei
Jetzt läuft die Seite beim neuen Hoster, die Domain zeigt aber noch auf den alten. Um sie trotzdem unter der echten Adresse aufzurufen, trägst du die neue IP-Adresse in die hosts-Datei deines Rechners ein. Unter Linux und macOS ist das /etc/hosts, unter Windows C:\Windows\System32\drivers\etc\hosts (mit Administratorrechten öffnen):
203.0.113.10 example.de www.example.de
Dein Rechner fragt für diese Namen dann nicht mehr das DNS, sondern nimmt die eingetragene Adresse. Klick dich durch die Seite, teste Formulare, Login und Bilder. Ein abgelaufenes oder fehlendes Zertifikat ist in dieser Phase normal, dazu gleich mehr.
Vergiss nicht, die Zeile nach dem Test wieder zu löschen.
E-Mail-Postfächer umziehen
Lege beim neuen Hoster dieselben Postfächer und Weiterleitungen an wie beim alten. Die vorhandenen Mails kopierst du per IMAP. Das Werkzeug imapsync liest ein Postfach Ordner für Ordner aus und schreibt es in ein anderes:
imapsync --host1 imap.alter-hoster.example --user1 info@example.de --passfile1 pw-alt.txt \
--host2 imap.neuer-hoster.example --user2 info@example.de --passfile2 pw-neu.txt
Die Passwörter stehen in eigenen Dateien, damit sie nicht in der Shell-Historie landen. Lösche die Dateien danach.
Lass imapsync zweimal laufen: einmal vor der Umstellung der MX-Einträge und einmal ein bis zwei Tage danach. Der zweite Lauf kopiert nur noch die Mails, die in der Zwischenzeit beim alten Server angekommen sind. Ohne Kommandozeile bieten viele Hoster einen eigenen Umzugsassistenten im Kundenmenü an. Notfalls verschiebst du die Ordner in Thunderbird per Drag-and-drop von einem Konto ins andere.
Domain umziehen oder DNS umstellen
Hier gibt es zwei Wege.
Domain bleibt beim alten Anbieter: Du änderst nur die DNS-Einträge, also A- und AAAA-Eintrag für die Webseite und den MX-Eintrag für Mail, auf die Werte des neuen Hosters. Das ist der schnellste Weg. Der alte Vertrag muss dann aber für die Domain weiterlaufen.
Domain zieht mit um: Bei .de-Domains forderst du beim alten Anbieter den AuthInfo-Code an, früher sprach man vom KK-Antrag. Bei .com, .net und vielen anderen Endungen heißt er Auth-Code oder EPP-Code. Diesen Code gibst du beim neuen Anbieter ein, der den Transfer dann ausführt. Ein Haken: Mit dem Transfer übernimmt meist der Nameserver des neuen Hosters. Lege dort alle DNS-Einträge vorher an, auch Sondereinträge wie SPF, DKIM oder Einträge für Microsoft 365.
Bei beiden Wegen gilt: Prüfe nach der Umstellung mit dig, ob die neuen Werte ankommen.
dig +short example.de A
dig +short example.de MX
SSL-Zertifikat
Ein kostenloses Zertifikat von Let's Encrypt kann der neue Hoster bei der üblichen Prüfung per HTTP erst ausstellen, wenn die Domain auf seinen Server zeigt. In den Minuten danach sehen Besucher eventuell eine Zertifikatswarnung. Frag vorher, ob der Hoster das Zertifikat per DNS-Prüfung vorab ausstellen kann oder ob du ein vorhandenes Zertifikat hochladen darfst. Beides vermeidet die Lücke. Bei Transfers mit kurzer TTL ist das Zeitfenster ohnehin klein.
Sonderfall WordPress
Für WordPress gibt es Migrations-Plugins, die Dateien und Datenbank in ein Archiv packen und beim neuen Hoster wieder auspacken. Für kleine Seiten ohne SSH ist das bequem. Bei großen Seiten scheitern sie oft an Upload- oder Zeitlimits, dann bleibt der Weg über rsync und mysqldump.
Ändert sich beim Umzug die Adresse, etwa von einer Testdomain auf die echte oder von http auf https, musst du die alte URL in der Datenbank ersetzen. Nimm dafür kein normales Suchen und Ersetzen in der SQL-Datei. WordPress speichert viele Einstellungen als serialisierte PHP-Daten, in denen die Länge jeder Zeichenkette mitgespeichert ist. Ändert sich die Länge, sind diese Einträge kaputt, und Widgets oder Theme-Einstellungen verschwinden.
WP-CLI erledigt das sauber:
wp search-replace 'https://alt.example.de' 'https://www.example.de' --all-tables --dry-run
wp search-replace 'https://alt.example.de' 'https://www.example.de' --all-tables
Der erste Aufruf zeigt nur, wie viele Ersetzungen anstehen. Der zweite führt sie aus. Leere danach alle Caches, auch einen Server-Cache des neuen Hosters.
Wann ein Umzug mehr als ein Hosterwechsel ist
Bleibst du bei Shared Hosting, ändert sich für die Seite kaum etwas. Anders sieht es aus, wenn du auf einen vServer wechselst. Dann richtest du Webserver, PHP und Mailserver selbst ein, und die Reihenfolge oben bekommt einige Schritte mehr. Ob sich das lohnt, klärt der Ratgeber vServer oder Webhosting. Wenn du nur einen besseren Tarif suchst, findest du ihn im Webhosting-Vergleich und auf den Anbieterseiten.
Günstige Tarife: Webhosting
-
- Speicher
- 10 GB
- Domains inkl.
- keine
- Postfächer
- –
- SSL
- –
1,90 €/Monat
Ø 1,90 € über 24 Monate
- Keine Mindestlaufzeit, stundengenaue Abrechnung
- 1 Datenbank, 1 Cronjob, 2 PHP-Prozesse
- Varnish-Cache
- Domain muss separat gebucht werden
- Datenbanken
- 1
- Laufzeit
- monatlich kündbar
- Einrichtung
- keine Gebühr
- Geprüft
-
- Speicher
- 50 GB SSD
- Domains inkl.
- 1
- Postfächer
- 100
- SSL
- inklusive
2,69 €/Monat
Ø 2,69 € über 24 Monate
- 1 .de-Domain inklusive
- 25 GB Web- + 25 GB Mail-Speicher (SSD)
- SSH-Zugang, Git, unbegrenzt SSL-Zertifikate
- Preis gilt dauerhaft, keine Einrichtungsgebühr
- Datenbanken
- 1
- Traffic
- Unbegrenzt (kostenlos)
- Backup
- Freiwillige Sicherung über mehrere Tage (Dateien bis 10 GB), Restore kostenpflichtig
- Laufzeit
- 1 Jahr Laufzeit
- Einrichtung
- keine Gebühr
- Geprüft
-
- Speicher
- 20 GB SSD
- Domains inkl.
- 1
- Postfächer
- 10
- SSL
- inklusive
3,99 €/Monat
Ø 3,99 € über 24 Monate
- 1 .de-Domain inklusive
- 30 GB E-Mail-Speicher, 10 Postfächer
- PHP 8.1 bis 8.4, Python, Perl
- SFTP/FTPS, 1 Webcron
- Monatlich kündbar für 4,99 € plus 4,99 € Einrichtung
- Datenbanken
- 2
- Websites
- 1
- Backup
- Backups inklusive (Umfang nicht näher angegeben), manuelle Wiederherstellung 50 € je Backup
- Laufzeit
- 1 Jahr Laufzeit
- Einrichtung
- keine Gebühr
- Geprüft
-
- Speicher
- 150 GB SSD
- Domains inkl.
- 3
- Postfächer
- 500
- SSL
- inklusive
4,03 €/Monat
Ø 4,03 € über 24 Monate
- 3 .de-Domains oder 1 Alternativdomain inklusive
- 75 GB Web- + 75 GB Mail-Speicher (SSD)
- 4 GB garantierter RAM, WordPress-Toolkit
- Preis gilt dauerhaft
- Datenbanken
- 10
- Traffic
- Unbegrenzt (kostenlos)
- Backup
- Freiwillige Sicherung über mehrere Tage (Dateien bis 10 GB), Restore kostenpflichtig
- Laufzeit
- 1 Jahr Laufzeit
- Einrichtung
- keine Gebühr
- Geprüft
Häufige Fragen
Wie lange dauert ein Domain-Transfer bei .de-Domains?
Liegt der AuthInfo-Code vor und stimmt er, ist eine .de-Domain meist innerhalb weniger Stunden beim neuen Anbieter. Bei generischen Endungen wie .com oder .net kann der Transfer bis zu fünf Tage dauern, weil der bisherige Registrar eine Frist zum Widerspruch hat.
Was passiert mit meiner Domain, wenn ich beim alten Hoster einfach kündige?
Kündigst du den Vertrag ohne Transfer, gibt der Hoster die Domain zum Vertragsende meist zur Löschung frei. Danach kann sie jeder registrieren. Kündige deshalb die Domain nie getrennt vom Umzug, sondern beantrage den Transfer oder lass dir den Code geben, bevor die Laufzeit endet.
Muss ich meine Besucher über den Umzug informieren?
Nein. Läuft alles nach Plan, merkt von außen niemand etwas. Sinnvoll ist ein Hinweis nur, wenn du ein Wartungsfenster brauchst, etwa weil sich in einem Shop während der Umstellung keine Bestellungen auf dem alten Server sammeln sollen.
Verliere ich durch den Hosterwechsel Platzierungen bei Google?
Nicht, wenn Adressen und Inhalte gleich bleiben und die Seite durchgehend erreichbar ist. Suchmaschinen sehen nur, dass die Domain auf eine neue IP-Adresse zeigt. Ändert sich dagegen die Domain oder die Struktur der URLs, brauchst du 301-Weiterleitungen von jeder alten auf die passende neue Adresse.